Wie Schulden eintreiben ? (1/3)

Ein Leitfaden für Gläubiger erster Teil

Uneinbringbare Schulden oder Verluste aus Forderungen sind in der in der Wirtschaft alltäglich. Konzerne betrachten diese oft nur aus buchhalterischer oder geschäftspolitischer Perspektive. Es wird nicht ernsthaft versucht, die offenen Forderungen einzutreiben

Im wirklichen Leben können dagegen säumige Schuldner ihre Gläubiger in ernste Schwierigkeiten bringen. Ist der Betrag der auf dem Spiel steht wesentlich kann sich die Angelegenheit schnell zu einem persönlichen Drama auswachsen. 

Das Grundproblem beim Geld eintreiben

Ihr Schuldner hat im Grunde nichts gemacht. Sie haben auch nichts von Ihm gehört. Er sich Ihnen gegenüber ja auch nicht zu Ihren Geldforderungen erklärt. Etwa in der Art «Ich beabsichtige nicht, Zahlungen zu leisten» oder «Die Forderungen erkenne ich überhaupt nicht an» Somit können Sie keine Rückschlüsse aus aktivem Handeln des Schuldners auf seine Motive & Absichten machen.

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Er macht einfach nichts; Sie wissen nicht was gespielt wird und Sie bekommen dafür «die Krise».

Verständlicherweise möchte jeder dieses Thema umgehen. Sollte ein solches Problem dennoch einmal akut werden stellen sich folgende Fragen: Wie können bei schwierigen Schuldnern Geldforderungen eingetrieben werden? Welche Mittel stehen mir als Gläubiger zur Verfügung? Wie ist der Verlauf einer solchen Auseinandersetzung und welche Faktoren bestimmen die Erfolgsaussichten ?  

Wie Sie diesen Leitfaden lesen sollten:

Ihnen schuldet jemand einen grossen Geldbetrag und Sie rechnen mit dem Verlust. Sie haben das Gefühl, immer mehr die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren: Ihnen soll dieser Leitfaden helfen, die richtigen Schritte zu Überwindung der Krise mit Ihren zu manchen

Sie sind allgemein unsicher, wie man generell seine Forderungen managt: Dieser Ratgeber spart das Standard-SCHREIBINKASSO aus, kann Ihnen aber Hinweise auf Gefahren und ein besseres Bewusstsein für mögliche Risiken vermitteln

Sie möchten sich informieren, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, um Forderungen einzutreiben:  Dieser Ratgeber spart rechtliche Verfahren und Instrumente aus, arbeitet aber heraus, wie juristische Massnahmen in eine Handlungsstrategie eingebettet werden sollten

Fünf Schritte aus der Krise

Diese fünf Schritte können Ihnen einen Leitfaden geben die Krise zu überwinden und ihre Geldforderung doch noch zu realisieren  

  1. Im ersten Schritt sollten Sie sich über die entstandene Situation Klarheit verschaffen und sich vor allem ein Bild über die Motive und Absichten Ihres Schuldners machen
  2. Im zweiten Schritt sollten Sie die gegebene Situation akzeptieren und eine Entscheidung treffen. und sich zu entschlossenem Handeln durchringen. Mit allen Konsequenzen
  3. Im dritten Schritt gilt es, den Schuldner persönlich mit seinem Verhalten zu konfrontieren, um ihn dazu zu bringen, sich Ihnen gegenüber zu Erklären
  4. Im vierten Schritt ist das Ziel der Auseinandersetzung, eine Verhaltensänderung zu bewirken und dies in einer Vereinbarung zu fixieren
  5. Im fünften Schritt liegt der Fokus darin, die Einhaltung Vereinbarung durchzusetzen

Schritt 1: Klarheit über meine Lage gewinnen

Schritt 1 : Massgeblich für ein erfolgreiches Krisenmanagement ist die Einsicht, niemals alle Umstände und Fakten kennen zu können, die zu ihr geführt haben. Noch weniger können wir ohne weiteres einschätzen, welche Absichten der Schuldner hat und wie er die Situation einschätzt. Nur wer sich in der wirklichen Lage zurechtfindet ist wirklich in der Lage, klug zu handeln

 1. Was können wir über unseren Schuldner wissen?

1.1 über seine wirtschaftliche Situation

Die nächstliegendste Abklärung ist diejenige, ob mein Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen aus wirtschaftlichen Gründen nicht nachkommen kann.

Folgenden Fragen können hierbei hilfreich sein:

  • Gibt es gravierende wirtschaftliche Probleme beim Schuldner, die ein rasches Handeln erfordern?
  • Bin ich der einzige Gläubiger oder gibt es (viele) andere, die dieselben Probleme mit diesem Schuldner haben?
  • Gibt es einen Wettlauf unter den Gläubigern nach dem Motto «Rette sich wer kann»?
  • Hat mein Schuldner (noch) etwas zu verlieren? (oder ist er der Meinung, ich sei es der viel mehr zu verlieren habe)
  • Oder ist dies nur vorgeschoben damit er sich an mir bereichern kann?
  • Wurden Zahlungsversprechen gemacht und gebrochen, weil der Schuldner seine Situation nicht mehr unter Kontrolle hat oder um mich bewusst hin zu halten oder gar zu täuschen?
  • Gibt es Hinweise auf Betrug oder Gewerbsmässigen Betrug?

TIPP: Scheuen Sie sich nicht, sich im Umfeld des Schuldners über seine Verhältnisse zu informieren

1.2 über seine Absichten und Motive

Verstehen heisst nicht Verständnis zu haben

Verständnis haben heisst nicht einverstanden zu sein


Mein Schuldner schuldet mir Geld. Auch wenn er meine Geldforderung nicht bestreitet so hat er doch mit der Weigerung, seiner Zahlungspflicht nachzukommen eine veränderte Situation zu seinen Gunsten und meinen Lasten geschaffen und ich sollte mich bemühen zu verstehen warum. Fangen wir mit seinem äusseren Verhalten uns gegenüber an

1.2.1 Äusseres Verhalten mir gegenüber (Typische Verhaltensmuster bei Schuldnern)
  • Das Opfer: macht oft unbeeinflussbare und unvorhersehbare Umstände geltend obschon er die Situation einseitig herbeigeführt und letztlich zu verantworten hat. Dies blendet er nach innen und nach aussen hin aus. Die Welt habe sich gegen ihn verschworen und jetzt quält ihn auch noch zu allem her der Gläubiger. Sieht der denn gar in welch prekären Situation er sich befindet
  • Der Flüchtige: hat sich buchstäblich aus dem Staub gemacht und versucht seine Spuren zu verwischen. Manchmal verlässt er den realen Schauplatz auch im übertragenden Sinn in dem er eine erbitterte Feindschaft zum Gläubiger inszeniert?
  • Der Aggressive: zeigt, ohne eines weiteren Anlasses zu bedürfen, offensive, herabsetzende und einschüchternde Verhaltensweisen.
  • Der Überhebliche: zeigt seine Aggressivität in anderer, vor allem herabsetzender Weise. Er lässt mich gar nicht an sich herankommen und reagiert kurz angebunden oder genervt. Ein Gläubiger ist für ihn nur ein Bittsteller und als solcher hat dieser sich nun mal den Gegebenheiten zu fügen
  • Der Bemühte: tut alles, um mir als Gläubiger ein gutes Gefühl zu geben. Er macht sogar mehr als man von ihm erwarten kann, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Er zeigt sich auch herzlich besorgt um meinen Gemütszustand und unser gutes Verhältnis. Seine Lösungsvorschläge sind jedoch alles andere als konkret?
1.2.2 Mögliche Absichten und Motive

Wie sich der Schuldner mir gegenüber zeigt ist eine Sache, welche wirklichen Motive er hat eine andere, viel relevantere Sache Es macht eben einen gewaltigen Unterschied, ob jemand

seine Zahlungspflichten leichtfertig einging,

ODER  es jetzt einfach mal so drauf ankommen lässt

ODER von Anfang an nie die Absicht hatte, seine Verpflichtungen einzuhalten

Hier nun die wichtigsten Grundmotive von notorischen Schuldnern

  • Überforderung: Oftmals wird die eigene schlechte wirtschaftliche Situation lange Zeit vom Schuldner verdrängt bevor diese ihn einholt. Manchmal liegt das Problem im wirtschaftlich unzuträglichen chaotischen Charakter des Schuldners (was diesem aber selbst nicht unbedingt bewusst sein muss)
  • Machtausübung: Niemand weiss wieviel Macht er über jemanden anderen hat bis er es austestet

    Oftmals ist das Kalkül des Schuldners er komme mit seinem Vertragsbruch durch da sich der Gläubiger in einer schwächeren und relativ hilflosen Position befinde. Dieser Eindruck kann sich beim Schuldner auch erst im Lauf der Zeit einstellen: er hat die Erfahrung gemacht, dass je unverfrorener er agiert desto nervöser und unsicherer seine Gläubiger werden. Da ernsthafte Konsequenzen ausbleiben findet er Gefallen am Spiel, das er ja so gut unter Kontrolle hat
  • Betrügerische Absicht: Es lag nie in der Absicht des Schuldners, seine vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen. Er sieht von Beginn an eine gute Chance, mich um mein Geld zu bringen und hat sich im Vornhinein genau überlegt, wie er sich meinem Zugriff und ernsthaften Konsequenzen dauerhaft entziehen kann
1.2.3 Wie nimmt mein Schuldner mich eigentlich wahr ?

Ich muss einschätzen können, welche Motive dem Verhalten des Schuldners zu Grunde liegen. Seine Motive sind für die entstandene Situation massgebend. Wenn wir das äussere Verhalten mit möglichen Motiven kombinieren können sich folgende Hinweise, wie der Schuldner mich und sein Verhältnis zu mir als Gläubiger sieht:

 2. Was sollte ich über meine Reaktion wissen?

2.1 Wie ich mich dabei fühle?

Um sachgerecht reagieren zu können sollte ich meine negativen Gefühle einkalkulieren. Ich muss mir über meine Re-Aktion auf das Agieren des Schuldners klar werden.

Welche Reaktion trifft möglicherweise auf mich zu?

  • Ich bin vom Verhalten meines Schuldners überrascht und sprachlos / Ich hätte so etwas absolut nicht erwartet
  • Ich fühle mich verraten und verkauft / Ich fühle mich hilflos und über den Tisch gezogen / Wie konnte gerade mir das passieren
  • Ich bin es überdrüssig mich mit dieser Person weiter auseinander zu setzen und noch mehr Energie, Zeit & Kraft zu investieren / Ich habe keine Lust mich auf eine endlose Fehde (Auseinandersetzung) einzulassen
  • Ich habe keine Hoffnung, dass bei meinem Schuldner noch etwas zu holen ist
  • Ich bin trotz allem hin- und hergerissen, ob ich meinem Schuldner weiterhin Verständnis und Vertrauen entgegenbringen kann – oder eben nicht / ich tue mich schwer die neue Situation und deren Folgen zu akzeptieren / Ich habe hier eine Niederlage erlitten 
2.2 Ist mein Blick getrübt?

Ihre Gefühle können die grösste Hürde für entschlossenes Handeln sein und sind es auch oftmals. Sie sind Opfer geworden und meiden möglicherweise unbewusst alles, was die negativen Gefühle hervorrufen und verstärken kann, insbesondere den Konflikt und in der Auseinandersetzung mit dem Schuldner.

Ihre Gefühle können

  • Ihre Sicht auf die Realität trüben und Sie zu Fehleinschätzungen verleiten
  • falsche Handlungsimpulse geben wie beispielsweise «Das zahle ich Dir heim» «Das sollst Du büssen» «Das soll Dir schlecht bekommen» Du wirst schon sehen, was Du angerichtet hast»
  • Sie zu ergebnislosem Kämpfen und Eskalationen verleiten

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